Klassik-Open-Air in der Berliner Waldbühne

„Unter Sternen“ mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra

Berlin, 14. August 2010 Klassikkonzert in der Waldbühne! Leichte Nebelschwaden wabern über die Bäume, die das Rund der großen Open-Air-Waldbühne umschließen. „Unter Sternen“ ist der Titel des klassischen Konzertes. Die Sterne kann man an diesem etwas feuchten Abend jedoch leider nicht sehen.

Das City of Birmingham Symphony Orchestra, unter der Leitung von Andris Nelsons, spielt zum Programmauftakt von Richard Wagner die Ouvertüre zur Oper „Rienzi, der Letzte der Tribunen“. Die Klänge, die den Kampf gegen die römischen Unterdrücker darstellen, haben dann auch im Wesentlichen die letzten Regenwolken vertrieben. Die Bläser kündigen in dem Waldgelände am Olympiastadion den Auftakt des Konzertes an, der fast wie ein Beginn einer Jagd mit viel Halali anmutet.

Die Waldbühne ist vielleicht knapp zur Hälfte mit aufmerksamen Zuhörern gefüllt. Die Klassikbegeisterten, teilweise auch mit ihren kleinen Kindern, hatten heute der regenerprobten Abendgarderobe (sprich Regenjacke und Plastikmüllsack) dem Vorzug gegeben.
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Foto: Thomas Moser
Das City of Birmingham Symphony Orchestra wurde 1920 gegründet. Mit 25 Jahren war Sir Simon Rattle Hauptdirigent und künstlerischer Berater. Der Dirigent Andris Nelsons ist jetzt musikalischer Leiter des Orchesters. Der Tagesspiegel schreibt über Nelson: „ Die größte und schönste Hoffnung am internationalen Dirigentenhimmel. Der 30-jährige Lette ist ein Ausbund an Musikalität.“

Dann wurde das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 von Ludwig van Beethoven angestimmt. Der Solopart an den Tasten wird an diesem Abend von Hélène Grimaud präsentiert. Der Sender ARTE urteilt über ein Konzert im Jahr 2007: „Hélène Grimaud ist zweifelsohne eine der faszinierendsten Pianistinnen unserer Zeit.“ Bis zur obersten Reihe erfüllen die symphonischen Harmonien die Waldbühne mit einem Zauber. Die Spitzenqualität der Pianistin erfüllt alle Erwartungen. Die Künstlerin spielt mit den Größen der zeitgenössischen Klassikszene. Sie debütierte mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado, mit den New Yorker Philharmonikern unter Kurt Masur und bot unter Leitung von Daniel Barenboim Beethovens Konzert Nr. 4 in San Francisco dar. Im heute aufgeführten 5. Klavierkonzert von Beethoven ergänzen und verbinden sich Klavier und Orchester in einer wunderbaren Weise. In einem einzigartigen Dialog verschmelzen Soloinstrument und Orchester. Hélène Grimaud wurde auch bei diesem Konzert vom Publikum begeistert gefeiert.

Nach der Pause, mit Erdbeerbowle und Rostbratwurst, wurden die Zuhörer auf eine Reise durch kalte Zeiten geschickt. Mit dem Werk „Frozen in Time“ schickt der junge israelische Komponist Avner Dorman, geboren 1975, das Publikum auf eine Schlagzeug-Reise durch die Kontinente. Die Reise geht nach Indoafrika, Eurasia und im 3. Satz nach Amerika. Hauptakteur an den Schlaginstrumenten ist der Österreicher Martin Grubinger. Der Multipercussionist machte bereits als Jugendlicher in internationalen Wettbewerben auf sich aufmerksam. Die Welt jubelt dann auch: „Martin Grubinger ist ein Jahrhundertmusiker.“
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Martin-Grubinger - Foto: Michael Herdlein (promo)
Im 1. Satz ist indische Lebendigkeit zu erkennen. Der 2. leise Satz fasziniert mit hellem Glockenklang, der später in eine harmonische Xylofonmelodie übergeht. Im letzten Satz wird die Lebendigkeit des gegenwärtigen und turbulenten Kontinents Amerikas herausgearbeitet. Die verschiedensten musikalischen Stilrichtungen begeistern durch den einzigartigen Wechsel der Schlaginstrumente. Der Musiker Martin Grubinger überzeugt damit, wie er mit einer Leichtigkeit seine großartige Perfektion an allen Instrumenten präsentiert. Der Dirigent Nelsons beendet das moderne Stück dann mit einem Schlusssprung. Das Publikum ist besonders von dem Schlagzeuger begeistert. Martin Grubinger gibt noch eine akrobatische Zwischenzugabe mit einem eigenen Werk an der kleinen Trommel. Der Applaus will fast nicht enden, so freuen sich die Zuschauer über die Präsentation des Österreichers.

„Aus der Neuen Welt“ präsentiert das City of Birmingham Symphony Orchestra die Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 von Anton Dvorák. Andris Nelsons dirigiert mit voller Hingabe. Dem Orchester hört man seine internationale Erfahrung und die Spitzenklasse an. Ein Klasse Konzert!

Der leichte Niesel am Schluss eines wunderbaren Abends kann dem Publikum nichts anhaben. Die Herzen haben sich durch diese musikalische Spitzendarbietung im Laufe des Abends immer mehr erwärmt. Mit vollstem Anrecht kann der Veranstalter über dieses kulturelle Highlight glücklich sein!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)

 

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