Rainald Grebe - Kindergeburtstag für Erwachsene

Berlin, 24. Mai 2012 Das Tempodrom am Anhalter Bahnhof in Berlin bietet zum Abschluss seines Orchesterprojektes den Rahmen für den Kabarettisten und Liedermacher Rainald Grebe & „Das Orchester der Versöhnung“. Der letzte Stopp in Berlin dauert zwei Tage und ist nach dem ausverkauften Gastspiel im Berliner Admiralspalast, zwei erfolgreichen Tourneen und einem überwältigenden Waldbühnenkonzertspektakel der krönende Abschluss.

Seine Konzerte sind immer ein großes Spektakel. Die erste Hälfte seiner Abschlussvorstellung scheint aber eine einzige große Kinderparty für Erwachsene, alternativ ein ausgelassener Herrenabend, geworden zu sein. In bunten Verkleidungen erstürmen die Künstler die Bühne und der Meister eröffnet seinen Budenzauber fast schon traditionell mit dem Indianer-Federschmuck.

Mit witzigen Wortfetzen, Weißheiten in Reimattacken, Krach und Klamauk, schelmischen Hintersinn und jeder Menge Spaß präsentiert der Künstler sein Programm. Lümmelnd in seinem Drehstuhl am Piano und über die Bühne springend: Rainald Grebe ist voll bei der Sache! Der eine oder andere mag sich fragen, wer da was geraucht hat? Aber seine musikalischen Ambitionen sind durchaus anspruchsvoll und werden von der Band und dem Streichorchester gelungen umgesetzt. Ein DJ ist mit an Bord und sorgt für die abgedrehtesten Geräusche. Die vierköpfige Streichergruppe besteht aus etwas betagten Herren, die einen wunderbaren Kontrast im Irrsinn von Grebes Traumwelt bieten.

In der Ankündigung heißt es passend: „Seine Konzerte mit dem zehnköpfigen Orchester, ein einzigartiges Spektakel zwischen Quatsch und Pathos, Theater und Comedy, Zirkus und Popkonzert haben Grebe den Ruf als einer der außergewöhnlichsten Entertainer Deutschlands eingebracht.“

Der Musiker begeistert das Publikum, wenn er sich zum Beispiel im „Prenzlauer Berg“ -Song selbst auf die Schippe nimmt: „Am Kollwitzplatz stehen die Volvos, vor der LPG stehen die Saabs. Die Mieten hier sind bezahlbar, denn ich kann sie ja zahlen…Ho-, Ho-, Holzspielzeug!“ Aber auch beim bittersüßen ´Protestsong` „Ich bin Oben“ droht einem das Lachen im Halse steckenzubleiben. Erlebnisse im Alltag vergnügen das teils kreischende Publikum sehr: Ritter-Sport Vielfalt-Verirrungen und erlebte „Handtaschentänze im Haus der Kulturen“ gehören dazu. Für die bildhafte Veranschaulichung des Handtaschentanzes lassen sich auch schnell Menschen aus dem Publikum gewinnen. Leibhaftig präsentiert „Mike aus Cottbus“, besonders zum Vergnügen der vielen weiblichen Fans, eine sehenswerte Stripeinlage.

Beim unendlich lang wirkenden Lied vom Angeln wird die Angleridylle beschrieben und auf den Arm genommen. Beim „Diktator der Herzen“ vergeht einem schon manchmal das Lachen: „Heut war Steinigung im Bürgerpark. Ich war leider nicht dabei, ich verbrachte den Vormittag in meiner Falknerei“. Aber genau diese Zuspitzung ist Grebe!

Dieser „verrückte“ Künstler lässt sich mit den Zugaben wahrlich nicht lumpen. Der „Präsident“ („Tatütata der Präsident, ich fahre mit Eskorte…“) musste genau so dabei sein, wie zumindest einige Lieder im Zyklus über die armen Bundesländer. Diesmal war „Sachsen-Anhalt“ und als krönender Abschluss „Brandenburg“ dabei. Spätestens dieses Lied konnten dann Alle mitsingen: „In Brandenburg, in Brandenburg, ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt. Was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg?“ Diese zynisch-humorvollen Balladen haben den überzeugenden zweiten Teil der Grebe-Show zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

In der Rezension zum großen Jubiläumskonzert „Halleluja Berlin“ in der Waldbühne, im Juni 2011, haben wir geschrieben: „Egal was Rainald Grebe singt, es hört sich alles gut an. Das Timbre in seiner Stimme hat etwas unbeschreiblich Interessantes! Bezaubernd sind seine stets witzigen und hintersinnigen Texte, er schaut den Leuten aufs Maul und scheut nicht davor zurück, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Rainald Grebe hat ganz großes Theater geboten.“

Was soll man dem noch hinzufügen? Wir können auf seine neuen Projekte gespannt sein!

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

Rezension von BerLi-Press über das große Waldbühnenkonzert:

http://weblog.berli-press.de/archive/2011/06/19/-halleluja-berlin----ein-riesenspektakel-von-und-mit-rainald-grebe.htm

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