Daniel Barenboim - DAS WALDBÜHNENKONZERT

Geigen statt Gewehre

Berlin-Waldbühne 29. Juli 2012 Der musikalische Großmeister Daniel Barenboim dirigiert und macht damit Politik. In der Berliner Waldbühne hatte Barenboim und das „West-Eastern Divan Orchestra“ schon 2011 einen großen Erfolg gefeiert. Dies war den musikalischen Leistungen dieses ganz besonders zusammengesetzten Orchesters zu verdanken.

Nun gab es eine Zugabe: Im Jahr 2012 beglücken die Künstler erneut die Berliner und spielen sich mit der 3. und 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven in die Herzen der Zuschauer.

Pünktlich zum Konzertbeginn hörte der dauerhafte Regen auf und sogar die Sonne empfing die jungen Musiker und die circa 15.000 Konzertbesucher in der Berliner Waldbühne. Trotzdem war Regenbekleidung die bevorzugte Abendgarderobe, die zum Glück dann nicht gebraucht wurde.

Das Orchester wurde 1999 von Daniel Barenboim und Edward Said, ein in Palästina geborener amerikanischer Literaturwissenschaftler, in Weimar im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt gegründet. Die Musiker des West-Eastern Divan Orchestra kommen aus Israel und Palästina, aus Syrien, Jordanien, Ägypten, dem Libanon, dem Iran, der Türkei und Spanien. Das Orchester setzt sich aus jungen Musikern von 14 bis 25 Jahren zusammen. Jedes Jahr treffen sie für Sommerworkshops zusammen, die inspiriert sind vom Geist der Musik und der Bereitschaft, sich mit den Erfahrungen und Sichtweisen der Kollegen auseinanderzusetzen, die alle persönlich mit der schwierigen Situation im Nahen Osten verbunden sind. In diesem Jahr finden die Sommerproben und Workshops erstmals in Berlin statt.


Promo-Foto: Luis Castilla

Das junge Orchester und Barenboim will mit Hilfe der Musik Barrieren einreißen, die immer als unüberwindlich angesehen wurden: „Der einzige politische Aspekt, dem die Arbeit des West-Eastern Divan unterliegt, ist die Überzeugung, dass es für den Nahost-Konflikt niemals eine militärische Lösung geben wird und dass die Schicksale der Israelis und Palästinenser untrennbar miteinander verbunden sind.“ Das Orchester leistet damit eine besondere musikalische Friedensarbeit.

Foto: BerLi-Press
Im ersten Konzertteil wurde die 3. Sinfonie in Es-Dur, op. 55, mit dem Beinamen „Eroica“, präsentiert. Die Vögel wetteiferten im 1. Satz mit den Flöten. Nach dem langen 2. Satz, dem Trauermarsch, schuf Beethoven im 3. Satz, dem Scherzo, etwas Außergewöhnliches. Von einem Pianissimo ging es fast schreiend in ein Fortissimo über.

Für diese Open-Air-Veranstaltung hatten die Veranstalter einen sehr guten klassischen Sound gezaubert, der nur vom entfernten Flugzeugbrummen beeinträchtigt wurde. Mit prachtvollen Fanfaren wurde das Finale gekrönt. Nach der Pause merkte man die Feuchtigkeit die gut besuchten Ränge hochkriechen. Die warmen Jacken wurden ausgepackt, die Sitzkissen sorgten für trockene Beinkleider und einige Fledermäuse zogen in der Dunkelheit ihre Bahnen.

Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie in c-Moll, op. 67, gehört zu den berühmtesten Sinfonien Beethovens und ist eines der populärsten Werke der klassischen Musik. Die Fünfte ist auch unter der Bezeichnung „Schicksalssymphonie“ bekanntgeworden. Das Werk wurde 1908 in Wien uraufgeführt und von Beethoven selbst dirigiert. Beethoven verwendet als kurzes rhythmisches Element das bekannte „ta, ta, ta, taaaa“ und verzaubert damit auch seine Berliner Fans im zweiten Konzertteil.

Am Schluss durfte endlich richtig applaudiert werden, nachdem zwischen den Sätzen diese Art der Zustimmung bei Konzertprofis verpönt ist. Heute war sichtlich nicht nur das typische Klassik-Publikum vertreten. Aber wer will schon festlegen, was typisch und was richtig und falsch ist. Eines ist jedoch sicher, das Konzert hat dem Publikum hervorragend gefallen, was besonders am frenetischen Schlussapplaus abzulesen war.

Diese schöne kleine Konzerttradition ist eine wunderbare Ergänzung zu den „Young Euro Classic“, die in diesen Tagen wieder im Konzerthaus am Gendarmenmarkt stattfinden.

Daniel Barenboim erklärte: "Die Konzertatmosphäre in der Waldbühne mit ihrem großartigen Publikum ist auch für mich und das Orchester eine ganz besondere, und da lag es nahe, mit einem weiteren Sommerkonzert des WEDO in Berlin hoffentlich eine neue Tradition zu gründen." Das Konzert in der Berliner Waldbühne war auch 2012 ein Benefizkonzert für die dem Orchester verbundenen Bildungsprojekte in Israel und Palästina.

Das Waldbühnenkonzert war sicher eines der Höhepunkte der „Beethoven For All“ Tournee. Weiter geht es bis 2013 durch vier Kontinente, aber erstmal wird ein musikalischer Zwischenstopp bei den Olympischen Spielen in London eingelegt.

Der Tournee geht die Veröffentlichung aller neun Beethoven-Sinfonien voraus, die Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchester im Sommer 2011 in Köln aufnahmen. Die 5-CD-Box „Beethoven For All“ erschien am 15. Juni bei Decca.

Ein wundervolles Konzertvergnügen der Spitzenklasse, egal ob live oder als Konserve!

Thomas Moser - BerLi-Press - (www.berli-press.de)

 

Bericht von Konzert im Jahr 2011: http://weblog.berli-press.de/archive/2011/08/23/die-ode--an-die-freude--erf-llt-die-waldb-hne.htm

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